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Nana und Nano -Workshop Ingolstadt

25. Jul 2020 | Kunsttherapie, Rückblick

Letztes Jahr habe ich in Ingolstadt einen Nana und Nano -Workshop geleitet. Das war ein 5 tägiger Intensiv-Workshop, bei dem die Teilnehmer einen Nana oder einen Nano (die männliche Form einer Nana) nach ihrem Körperbild gestaltet haben. Der Workshop fand im Rahmen von dem Projekt “gesundmitkunst” von Stadtkultur und dem Netzwerk bayrischer Städte in Ingolstadt statt.

Die Zielgruppe waren Menschen mit Übergewicht, die durch die Gestaltung ihres Körperbildes in Form einer “Nana” oder eines “Nano” einen anderen Zugang zu ihrem Körper erreichen und wieder mehr Verbindung mit ihrem Körper spüren wollten. Es waren nicht nur Menschen mit Übergewicht dabei, sondern auch welche, die aus anderen Gründen einen besseren Umgang mit ihrem Körper gesucht haben, zum Beispiel 2 Frauen mit einem Lipödem oder eine Person mit einer Essstörung.

Das Körperbild

Weißt du was ein Körperbild ist? Das ist das Bild was du im Inneren von deinem Körper hast. Das sieht bei jedem anders aus. Denn jeder Mensch hat andere Erfahrungen in seinem Leben gemacht, die tief in seinem Körpergedächtnis gespeichert sind. In der Kunsttherapie kann man diese Körperbilder mit Hilfe von Körperbildarbeit sichtbar machen. Das wird meistens anhand einer Zeichnung oder Malerei zweidimensional auf einem großen Papier gemacht. Manche Therapeuten arbeiten auch mit dreidimensionalen Modellen.

Inneres aufrichten

In der von mir entwickelten “Nana-Therapie” kannst du dein Körperbild anhand einer “Nana” (frei nach Niki de Saint Phalle) selbst gestalten. Dabei formst du das Körperbild, was du von dir hast mit Draht und Pappmaché nach den Vorstellungen von deinem Körper. Das kann dich an deine Gefühle und tief in dein Körpererleben bringen und dir viel über dich und deinen Körper erzählen. 

Die Teilnehmer konnten sehr tief in ihre Körperwahrnehmung eintauchen. Dadurch war es möglich, neben der Gestaltung auch an inneren Themen zu arbeiten, für die sonst im Alltag kein Raum zur Verfügung stand. Genau hinschauen, sich spüren und auch an Körperteilen in Form eines “Körper-Avatars” zu arbeiten, ermöglichte Ängste abzubauen und sich liebevoll mit Körperteilen zu beschäftigen, die vorher als nicht liebenswert wahrgenommen wurden. Durch den Workshop konnte diese Ablehnung des Körpers bei vielen Teilnehmern in Akzeptanz umgewandelt werden. Das gab den Teilnehmern Raum zu inneren Anteilen zu stehen, die vorher verleugnet wurden und ermöglichte ein “inneres aufrichten”. Das wurde nicht nur als resilienzfördernd sondern ein Stück weit als Heilung erlebt.

Die Atmosphäre in dem Workshop war sehr gut. Trotz der sehr persönlichen Auseinandersetzung, die bei manchen TeilnehmerInnen auch mit negativen Erlebnissen verbunden war, war genug Raum für Fröhlichkeit und Freude beim Gestalten.

Märchenhafte Figuren

Interessant war dabei auch, dass die “Nanas” zum Teil von der äusseren Körpergestalt der Teilnehmer deutlich abwichen. Durch die Verbindung mit den Körperbildern waren in dem Workshop die Ergebnisse der “Nanas”/”Nanos” nicht alle rund und bunt, sondern es waren auch sehr schlanke und weniger stark bemalte Figuren dabei, z.B. eine “Nana” nur in ihrem “Evakostüm”. Diese Figur hatte im Laufe des Workshops einen “Häutungsprozeß” durchlaufen, der sinnbildlich für die momentane Lebenssituation der Teilnehmerin stand. Auch waren märchenhaft anmutende Figuren dabei, zum Beispiel eine Figur mit einem Geweih, die besondere Eigenschaften der Teilnehmerin zeigten.

Bei dem Workshop war zum ersten Mal in meinen Nana Workshops ein männlicher Teilnehmer dabei. Es hat mich gefreut zu sehen, dass auch er von diesem Konzept profitieren konnte. Neben den handwerklichen Fähigkeiten, die er dort ausleben durfte, konnte er sich gut auf die Auseinandersetzung mit seinem Körper einlassen.

Rückmeldung in Gesprächsrunden

Im Wechsel mit den Workshopzeiten, die vor allem der Gestaltung dienten, habe ich immer wieder zu Gesprächsrunden eingeladen. In denen konnten die Teilnehmer in der Gruppe ihre Erlebnisse mit ihrem Körperbild besprechen und aus ihrem Leben erzählen. Ich glaube das hat den TeilnehmerInnen viel gebracht zu hören, dass jede/Jeder seine eigenen Probleme mit seinem Körper hat.

Es gab viel Verständnis füreinander. Ausserdem war mir wichtig bei dieser tief gehenden Arbeit von jedem Teilnehmer eine Rückmeldung zu bekommen. Ich wollte wissen wie es jedem einzelnen geht. Falls Teilnehmer im Laufe des Workshops an eine für sie schwierige Situation kommen sollten, hatte ich so die Möglichkeit sie aufzufangen.

Zugang zu Ängsten und Emotionen

Alle Teilnehmer haben den Workshop als positiv erlebt. Von einer Teilnehmerin bekam ich die Rückmeldung, dass sie es durch den Workshop geschafft hatte, sich erstmals mit ihren Emotionen und Ängsten zu beschäftigen, was sie als sehr wertvoll empfand.

Aus meiner bisherigen Erfahrung aus meinen anderen Nana-Workshops bin ich mir sicher dass der Workshop bei den Teilnehmern noch lange nachwirken wird…

Die schöne Umgebung der Haderbastei mit dem Innenhof und das schöne Wetter trugen ebenfalls zu einer Wohlfühlatmosphäre bei.

In der einen Woche hat sich so viel bei den Teilnehmern gezeigt, manches grenzte schon an Magie, das kann ich hier gar nicht alles wiedergeben… es war jedenfalls unglaublich schön.

Unterstützt wurde der Workshop durch eine Ergotherapeutin der Danuvuisklinik, die die Co-Leitung übernahm. Ich bin sehr dankbar, dass bei diesem Pilotprojekt, das im Rahmen von “gesundmitkunst” durch die Medical School Hamburg evaluiert wurde, ein Präventionsangebot geschaffen werden konnte, was sowohl Prävention, wie auch ein Stück weit Heilung in einem Rahmen ausserhalb einer Klinik- oder Krankenhausumgebung in entspannter Atmosphäre ermöglicht hat. Vielen Dank an alle Beteiligten. Ihr ward super!

Der Nana/Nano Workshop wurde dieses Jahr in Ingolstadt wiederholt. Die Angebote von gesundmitkunst waren wieder für die Teilnehmer kostenfrei.

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